Parteien & Wahlen

Parteien & Wahlen

Wie politische Richtungen wirken, wie das Parlament arbeitet und worüber deine zwei Kreuze entscheiden.

01Parteien & Richtungen

Interessen bündeln.

Nach Artikel 21 des Grundgesetzes wirken Parteien bei der politischen Willensbildung des Volkes mit. Sie sind nicht Teil des Staates, sondern gesellschaftliche Vereinigungen. Sie entwickeln Programme, stellen Kandidatinnen und Kandidaten auf und werben um Stimmen.

Die Parteienfinanzierung ist gesetzlich geregelt. Der Staat finanziert nicht politische Meinungen, sondern ermöglicht die Arbeit durch Teilfinanzierung, geknüpft an Wahlerfolge und eigene Einnahmen. Parteien müssen über Herkunft und Verwendung ihrer Mittel öffentlich Rechenschaft ablegen.

Innerhalb einer Partei werden Entscheidungen nicht einfach von einer einzelnen Spitze getroffen. Satzung und Parteiengesetz regeln etwa Mitgliedschaft, Parteitage, Vorstände und die Aufstellung von Wahlbewerberinnen und Wahlbewerbern. Parteitage beschließen in der Regel Programme; Vorstände führen die laufende Arbeit. Bei Wahlen können Mitglieder daher kandidieren, an internen Abstimmungen teilnehmen oder sich in Ortsverbänden engagieren. Welche Regeln im Einzelnen gelten, steht in der jeweiligen Satzung.

Politische Richtungen

Begriffe wie konservativ, liberal, sozialdemokratisch, ökologisch, links oder rechts sind keine amtlichen Schubladen. Sie helfen als grobe Orientierung, um Schwerpunkte zu beschreiben (z.B. Tradition vs. Veränderung, freier Markt vs. staatliche Lenkung).

In konkreten Sachfragen können Parteien Positionen vertreten, die nicht zu 100% zu einem Etikett passen. Maßgeblich sind immer die aktuellen Wahlprogramme.

Nicht der Staat

Parteien dürfen den politischen Wettbewerb organisieren, haben aber keine Staatsgewalt. Behörden, Gerichte und Wahlleitungen müssen gegenüber allen Parteien gleich handeln.

Programm ist kein Gesetz

Ein Wahlprogramm beschreibt Ziele. Verbindliches Recht entsteht erst im verfassungsmäßigen Gesetzgebungsverfahren. Auch eine Regierungspartei braucht dafür die vorgesehenen Mehrheiten und Verfahren.

Mehr als Parteien

Verbände, Gewerkschaften, Bürgerinitiativen, Medien und einzelne Bürgerinnen und Bürger wirken ebenfalls an der öffentlichen Meinungsbildung mit. Artikel 21 GG gibt Parteien eine besondere, aber keine ausschließliche Rolle.

Praktisch: Wer Positionen vergleichen möchte, kann neben Wahlprogrammen auf konkrete Abstimmungen, öffentliche Anfragen und die Kandidierenden im eigenen Wahlkreis schauen. Einzelne Aussagen ersetzen dabei nicht das gesamte Programm oder die spätere parlamentarische Entscheidung.

02Bundestag & Fraktionen

Ein Gesetz ist
Teamarbeit.

Im Bundestag sitzen Menschen mit unterschiedlichen Ideen. Sie ringen um Formulierungen, wägen Folgen ab und suchen Mehrheiten. Das dauert — und genau das ist gewollt.

Kurz gesagt: Der Bundestag beschließt Gesetze, kontrolliert die Regierung und entscheidet, wofür der Bund Geld ausgibt.

Der Bundestag ist das Parlament auf Bundesebene. Seine Abgeordneten beraten und beschließen Gesetze, kontrollieren die Bundesregierung und entscheiden über den Bundeshaushalt. Sie vertreten dabei nicht nur ihre Wahlkreise, sondern das ganze Volk.

Koalition

  • Zusammenschluss von Parteien/Fraktionen, die eine Regierung bilden
  • Vereinbaren politische Vorhaben in einem Koalitionsvertrag
  • Der Vertrag ist rechtlich nicht bindend, sondern eine politische Absichtserklärung

Opposition

  • Fraktionen, die die Bundesregierung nicht tragen
  • Kontrollieren Regierungshandeln und fragen nach
  • Legen eigene Gesetzentwürfe und Alternativen vor

Vom Entwurf zum Gesetz

  1. 1. Initiative: Bundesregierung, Bundesrat oder Abgeordnete aus der Mitte des Bundestags bringen einen Entwurf ein.
  2. 2. Beratung: Nach der ersten Lesung arbeitet meist ein Ausschuss am Text. Öffentliche Anhörungen ermöglichen Sachverständigen, ihre Einschätzung zu erklären; entscheiden dürfen aber die Abgeordneten.
  3. 3. Beschluss: In zweiter und dritter Lesung berät und stimmt der Bundestag ab. Danach befasst sich der Bundesrat mit dem Gesetz.
  4. 4. Abschluss: Je nach Gesetz kann der Bundesrat zustimmen müssen oder Einspruch einlegen. Nach Ausfertigung durch den Bundespräsidenten und Verkündung im Bundesgesetzblatt kann es in Kraft treten.

Warum der Bundesrat mitwirkt

Der Bundesrat vertritt die Regierungen der Länder. Das ist wichtig, weil Länder viele Bundesgesetze ausführen: etwa durch ihre Verwaltungen, Schulen, Polizei oder Gerichte. Bei Zustimmungsgesetzen kann ohne seine Zustimmung kein Gesetz zustande kommen. Bei Einspruchsgesetzen kann der Bundestag einen Einspruch unter bestimmten Voraussetzungen zurückweisen.

Häufiges Missverständnis: Ein Regierungsentwurf ist noch kein beschlossenes Gesetz, und eine Mehrheit im Bundestag bedeutet nicht bei jedem Gesetz, dass der Bundesrat keine Rolle mehr spielt. Vermittlungsausschuss und erneute Beratungen können den Text noch verändern.

03Wahlen verstehen

Zwei Kreuze.
Zwei Ideen.

Bei der Bundestagswahl bestimmst du mit, wer deinen Wahlkreis vertritt und wie stark Parteien im Parlament werden. Beides gehört zusammen, ist aber nicht dasselbe.

Kurz gesagt: Die Zweitstimme entscheidet vor allem über die Kräfteverhältnisse im Bundestag. Die Erststimme bringt eine Person aus deinem Wahlkreis ins Parlament.

Der Wahlzettel, erklärtSCHRITT 1/4

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Du bekommst zwei Stimmen

Mit der Erststimme wählst du eine Person aus deinem Wahlkreis. Mit der Zweitstimme wählst du die Landesliste einer Partei.

Plakate und Banner politischer Parteien vor dem Reichstagsgebäude zur Bundestagswahl 2005
Wahlkampf vor dem Deutschen BundestagFoto: Lichtblick/Achim Melde (Bildnummer: 1553764)QuelleNutzung für politische Bildung zulässig

Was passiert mit Überhang- und Ausgleichsmandaten?

Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei mehr Wahlkreise gewinnt, als ihr nach Zweitstimmen zustehen würden. Ausgleichsmandate geben den anderen Parteien zusätzliche Sitze, damit das Verhältnis der Zweitstimmen wieder stimmt.

Das neue Wahlrecht (2023) begrenzt den Bundestag auf 630 Sitze. Ein Wahlkreissieg allein garantiert deshalb nicht mehr in jedem Fall einen Sitz — die Zweitstimmendeckung zählt mit.

Wer darf wählen?

Bei Bundestagswahlen sind grundsätzlich Deutsche wahlberechtigt, die am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet haben und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. Für Europa-, Landtags- und Kommunalwahlen gelten teils andere Regeln; insbesondere können bei Europawahlen auch andere EU-Bürgerinnen und EU-Bürger am Wohnort wählen.

Geheim, frei, gleich, unmittelbar

Diese Wahlgrundsätze aus Artikel 38 GG schützen die Entscheidung: Niemand soll zum Wahlverhalten gezwungen werden, Stimmen sollen grundsätzlich gleich zählen, und die Wahl erfolgt ohne zwischengeschaltete Wahlleute. Die Wahl ist ein Recht, keine Pflicht.

So wird aus Stimmen ein Parlament

Wahlkreis: Deutschland ist in Wahlkreise eingeteilt. Dort treten Personen direkt gegeneinander an. Die Wahlkreisstimme schafft eine örtliche Verbindung, bestimmt aber nicht allein die Parteistärke.

Listen: Parteien reichen Landeslisten ein. Die Sitze einer Partei werden vor allem nach ihren Zweitstimmen auf die Länder verteilt; von dort werden zunächst erfolgreiche Wahlkreisbewerber und dann Listenbewerber berücksichtigt.

Prüfung: Wahlorgane zählen und stellen Ergebnisse fest. Gegen Fehler können Rechtsmittel eingelegt werden; über Wahleinsprüche entscheidet zunächst der Bundestag, anschließend kann das Bundesverfassungsgericht angerufen werden.

Beispiel: Gewinnt eine Person im Wahlkreis, entscheidet nach dem geltenden Verhältniswahlrecht zusätzlich, ob ihre Partei dafür genügend Zweitstimmen-Sitze hat. Deshalb ist ein Wahlkreissieg nicht automatisch gleichbedeutend mit einem Sitz. Die genaue Sitzberechnung ist im Bundeswahlgesetz geregelt.

Frage 1 von 3

Welche Stimme entscheidet vor allem über die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag?

Amtliche Grundlagen: Grundgesetz, Artikel 21, Bundeswahlgesetz und die Informationen des Bundeswahlleiters. Ablauf und Zuständigkeiten im Gesetzgebungsverfahren erläutern Bundestag und Bundesrat in ihren offiziellen Angeboten.

Stand der Recherche: 5. September 2026. Grundlage sind offizielle Gesetzestexte und amtliche Informationen. Politische Einordnungen sind als solche gekennzeichnet.